Preußische Kriege

1740 - 1792

 
 

 

Die schlesischen Kriege

1. und 2. schlesischer Krieg

 

 
   
Vorgeschichte

Durch den Tod Kaiser Karl VI. und die pragmatische Sanktion im Hause Österreich (weibliche Erbfolge durch Maria Theresia als Erzherzogin von Österreich) sah Friedrich die Chance gekommen, die machtpolitischen Verhältnisse in Europa und Deutschland zu verändern. Nicht zu unrecht nahm er an, daß nunmehr ein Streit um die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ausbrechen würde. Bayern, Sachsen und Frankreich mobilisierten gegen Österreich. 

Als Vorwand für den Marsch nach Schlesien warf Friedrich Österreich den Bruch des Schwiebuser Vertrages von 1537 vor. Hiernach hatte Preußen Anspruch auf die schlesischen Fürstentümer Liegnitz, Wohlau und Brieg, die nach dem Aussterben der Piasten an Brandenburg fallen sollten. 1675 starb die Linie tatsächlich aus, aber es wurden keine Anstrengungen unternommen, die Herzogtümer zu sichern. Weiterhin warf Friedrich den Österreichern vor, die Protestanten zu unterdrücken.

Die europäische Machtkonstellation war ebenfalls günstig, da Russland durch den Tod der Zarin Anna in Thronwirren verwickelt war, der Gegensatz zwischen England und Frankreich im Krieg zwischen England und dem bourbonischen Spanien gipfelte.

So setzte Preußen Österreich am 11. Dezember 1740 ein Ultimatum, wenn es Schlesien abtreten würde, erkenne Friedrich die pragmatische Sanktion an und würde Franz Stephan, den Gemahl Maria Theresias, bei der Kaiserwahl unterstützen und seine Truppen in den Dienst Österreichs stellen. Er wartete allerdings die Antwort Österreichs gar nicht erst ab, sondern ließ erste Truppen nach Schlesien einmarschieren.


Friedrich der Große
König von Preußen

 


Maria Theresia
Erzherzogin von Österreich (Kaiserin)

Der 1. schlesische Krieg

Am 28. Oktober 1740 teilte Friedrich II. Außenminister Graf Heinrich von Podewils und Generalfeldmarschall Kurt Christoph von Schwerin mit, er habe sich entschlossen, Schlesien zu erobern. Die Mobilmachung der für dieses Unternehmen bestimmten Truppen erfolgte am 8. November. Zu ihrer Versorgung wurden entlang der Oder Magazine angelegt und die Getreideausfuhr aus Brandenburg-Preußen verboten. Um österreichische Gegenmaßnahmen zu vereiteln, wurde das Gerücht ausgestreut, die Truppenzusammenziehungen gälten der Besetzung von Jülich-Berg.

Bis Mitte Dezember war die Versammlung der preußischen Truppen im Raum Krossen abgeschlossen. Der Angriffsplan sah vor, daß sich zwei Korps in den Besitz Schlesiens setzen sollten. Das I. Korps mit 20 Bataillonen, 32 Schwadronen und 34 Geschützen, insgesamt 15.000 Mann Fußvolk und 5.000 Berittene, wurde in zwei Kolonnen geteilt. Während die eine über Glogau nach Breslau vorzustoßen hatte, erhielt die andere den Auftrag, entlang der böhmischen Grenze auf Neiße zu marschieren. Zur Belagerung der Festung Glogau, die die Hauptversorgungsader nach Schlesien, die Oder, sperrte, war das II. Korps mit 7 Bataillonen, 10 Schwadronen und 8 Geschützen vorgesehen.

In Schlesien standen nur geringe österreichische Kräfte; der erst im September 1739 beendete, für die Habsburger unglücklich verlaufende Türkenkrieg fesselte das Gros der Truppen in Serbien und Ungarn. Die Standorte der österreichischen Truppen lagen vor allem im gefährdeten Ungarn, in Italien und in den österreichischen Niederlanden. Die Festungsanlagen von Glogau, Brieg, Neiße, Breslau und Glatz waren verwahrlost. Insgesamt befand sich im Oktober 1740 nur ein Infanterieregiment mit 1539 Mann nebst einer 300 Mann starken Freikompanie in Schlesien. Bis Mitte Dezember waren die österreichischen Truppen auf 3 Infanterieregimenter, eine Freikompanie und 8 Kompanien Dragoner verstärkt worden, insgesamt auf 7359 Mann. Davon verteidigten 1178 Soldaten die Festung Glogau, und 6061 Mann lagerten unter dem Befehl von Generalfeldmarschall Maximilian Ulysses von Browne im Raum Neiße.


Leopold von Anhalt-Dessau
Oberbefehlshaber
Heimatkorps


Kurt Christoph Graf von Schwerin 
Oberbefehlshaber I. Korps

 


Karl Alexander von Lothringen
Oberbefehlshaber des österr. Heeres

Besetzung Schlesiens

Am 16. Dezember 1740 drangen preußische Truppen über die österreichische Grenze. Hochgestimmt schrieb Friedrich an seinen Außenminister Podewils, er habe den Rubikon «mit fliegenden Fahnen um klingendem Spiel» überschritten.

Am selben Tag erließ er eine Proklamation, in der es hieß, der Einmarsch «erfolge auf Anlaß der von mehreren Seiten auf die Succession der österreichischen Lande erhobenen Ansprüche damit diese nicht von Andern eigenmächtig und gewaltsam in Besitz genommen würden».

Mit dieser Behauptung versuchte Friedrich II. seiner Annexion einen Schein der Rechtmäßigkeit zu geben und sich das Überraschungsrnoment zu sichern. Die europäischen Mächte blieben in unklaren, ob die Besetzung Schlesiens als eine Annexion oder als eine Vereinbarung zwischen dem Wiener und dem Berliner Hof zu betrachten sei. Erst am 18. Dezember unterrichtete der preußisch Gesandte in Wien, Graf Gustav Adolf von Gotter, das österreichische Kabinett offiziell vom Einmarsch preußischer Truppen in Schlesien. Er schlug Österreich vor, auf Schlesien zu verzichten, wofür Preußen die Wahl eines Habsburgers zum Deutschen Kaiser unterstützen würde. Das Wiener Kabinett lehnte den Vorschlag empört ab. Die preußischen Truppen hatten indessen einige Tage Zeit gewonnen, tief nach Schlesien einzudringen.

Waffengattung      Stärke

Am 22. Dezember schloß das 1. Korps die Festung Glogau ein. Nachdem Friedrich Kenntnis von der Ablehnung seiner Vorschläge erhalten hatte, ließ er das Tempo des Vordringens noch erhöhen. Ohne das Eintreffen des II. Korps vor Glogau abzuwarten, brach deshalb ein Teil der preußischen Truppen gegen Breslau auf, das sie am 1. Januar 1741 erreichten.

Infanterie    27 Bataillone 20.414 Mann
Kavallerie    42 Schwadrone   6.619 Mann
Artillerie      42 Kanonen      126 Mann
Gesamt 27.159 Mann

Die zweite Kolonne des 1. Korps unter Schwerin hatte inzwischen am 27. Dezember Bunzlau erreicht und war über Schweidnitz (3. Januar 1741) bis nach Frankenstein vorgegangen.

Beide Kolonnen setzten auch im Januar den Vormarsch fort, Nach der Einnahme von Namslau und Ohlau wurde neben Glogau auch Brieg belagert. Da Schwerins Versuch, die Festung Neiße handstreichartig zu erobern, mißlang, mußte auch Neiße blockiert werden. In der Folgezeit drängten die preußischen Truppen unter Schwerin die schwache österreichische Streitmacht unter Browne nach Böhmen ab und bezogen entlang der böhmischen Grenze von Jägerndorf bis Troppau Stellung. Ende Januar 1741 war Schlesien von österreichischen Truppen geräumt. 

Nur in Glogau, Brieg und Neiße verblieben noch schwache österreichische Garnisonen, die von preußischen Truppen belagert wurden, während die Hauptkräfte weitläufige Winterquartiere bezogen. Sie deckten in einer Kordonaufstellung die schlesischen Grenzen gegen Böhmen ab. Den besetzten schlesischen Fürstentümern zwang Preußen sofort hohe finanzielle Abgaben auf. Gleichzeitig bereitete es ihre Eingliederung vor und glich dazu bereits die Landesverwaltung der eigenen an.

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Einmarschskizze      
Friedrich II.
          

Frühjahrsfeldzug 1741

Die preußische Diplomatie befand sich trotz der militärischen und finanziellen Vorteile, die die schnelle Besetzung Schlesiens mit sich gebracht hatte, im Frühjahr 1741 in einer mißlichen Lage. Die Hoffnungen, daß der Wiener Hof freiwillig auf Schlesien verzichten würde, hatten sich nach langen Verhandlungen endgültig zerschlagen. England und Frankreich bemühten sich ebenfalls nicht, zu vermitteln beziehungsweise sich mit Preußen zu verbünden. Vielmehr zeichnete sich die Gefahr ab, daß unter der Führung Englands und Österreichs eine Koalition gegen Preußen entstünde, die mit erdrückender Übermacht den preußischen Staat erstickte.

Trotz lockender Angebote Friedrichs II. an Kardinal de Fleury (1. Minister Frankreichs), doch die Gelegenheit zu nutzen und sich billig Lothringen anzueignen, hielt die französische Diplomatie den König hin. Friedrich suchte daraufhin ein enges Bündnis mit den Seemächten England und den Niederlanden herzustellen. Doch die britische Politik litt an einem Zwiespalt. Während es im Interesse Englands lag, zwischen Preußen und Österreich zu vermitteln, um einen Zusammenbruch des Hauses Habsburg zu verhüten und Preußen von einem Bündnis mit Frankreich fernzuhalten, gingen die Absichten Georgs II., des Königs von England und Kurfürsten von Hannover, dahin, die preußische Dynastie zu schwächen, um seine hannoversche Hausmacht vermehren zu können. Auf seine Initiative hin traten am 16. Februar 1741 die Vertreter Englands, Rußlands, Österreichs, Sachsens und Hollands in Dresden zusammen und beschlossen, Preußen mit Waffengewalt zur Einhaltung der Pragmatischen Sanktion zu veranlassen. Später sollte über die Aufteilung der preußischen Randgebiete unter die beteiligten Mächte beraten werden.


 1. Infanterie-Rgt.

Friedrich II. hatte sich selbst in eine gefährliche Lage gebracht. Da die weiten offenen Grenzen Preußens nie gegen den Zugriff dieser Koalition geschützt werden konnten, mußte er sich auf die Verteidigung der preußischen Kerngebiete beschränken. Unter Verzicht auf eine Verteidigung Ostpreußens konzentrierte der König im Lager von Göttin bei Brandenburg, im Herzen Preußens, 28 Bataillone und 42 Eskadronen. Ihren Oberbefehl erhielt Fürst Leopold von Dessau. Seine Aufgabe bestand darin, die Mark Brandenburg vor einem sächsischen oder hannoverschen Angriff zu sichern. So bedrohlich sich die politische Zukunft für den preußischen Staat entwickelte, eine unmittelbare militärische Gefahr bestand vorerst noch nicht. Der Feldzugsplan für 1741 sah deshalb vor, bis zum 15.Mai die schlesischen Festungen Glogau, Brieg und Neiße einzunehmen, dann ein verschanztes Lager zu beziehen und dort den wahrscheinlichen Angriff eines österreichischen Heeres abzuwarten.

Dementsprechend wurden die preußischen Truppen in Schlesien verstärkt, denen es am 9. März 1741 gelang, die Festung Glogau zu erstürmen. Die weitergehenden militärischen Absichten Preußens zerschlugen sich jedoch, da die österreichische Armee den Feldzug weit eher eröffnete, als man in Berlin erwartet hatte. Unter der Führung von Generalfeldmarschall Graf Wilhelm Reinhard von Neipperg hatten sich im März 17 Bataillone, 8 Grenadierkompanien und 13 Kavallerieregimenter, etwa 15.000 bis 16.000 Mann, bei Olmütz versammelt. Der Fall der Festung Glogau festigte den Entschluß der österreichischen Führung, die Operationen frühzeitig zu eröffnen und die schwer bedrängten Plätze Neiße und Brieg zu entsetzen.

Da Friedrich II. den Beginn der Operationen erst im Mai erwartete und sich die preußischen Truppen, über ganz Schlesien verteilt, noch in ihren Winterquartieren befanden, vermochten die österreichischen Truppen mit unerhörter Kühnheit auf einer unbewachten Straße mitten unter den preußischen Truppen zu erscheinen und sie voneinander zu trennen. Ihrem Hauptteil, der in Oberschlesien stand, drohte die Abschnürung von seinen Verbindungslinien. Nachdem Neipperg Neiße entsetzt hatte, marschierte er auf Brieg. Ein Teil der eilig alarmierten preußischen Truppen folgte den österreichischen Regimentern und strebte danach, ihnen den Vormarsch zur Oder zu verlegen. Am 10. April 1741 trafen die preußische und die österreichische Armee nahe bei Mollwitz aufeinander. Hier kam es zur ersten Schlacht Friedrichs II.

Trotz des ersten preußischen Sieges waren die strategischen Folgen gering. Friedrich, der in seiner Flucht erst innehielt, als ihn die Erfolgsnachricht erreichte, konnte nur die Verbindung nach Niederschlesien wiederherstellen, die er auf Grund seiner ungeschickten Dispositionen am Vorabend der Schlacht verloren hatte. Die Österreicher dagegen hatten Oberschlesien wiedergewonnen und blieben im Besitz von Neiße. Trotz seiner großen zahlenmäßigen Überlegenheit von 60.000 zu 25.000 Mann wagte es der preußische König vorerst nicht, das österreichische Heer erneut anzugreifen. Nur die Festung Brieg wurde im Mai 1741 erobert. Die Behauptung Schlesiens durch die preußischen Eroberer bestärkte Bayern und Frankreich, in ihrer Überzeugung, daß der habsburgische Staat ein leichter Gegner sei. Sie beeilten sich, ihre Kriegsvorbereitungen abzuschließen.


Grenadiere bei Mollwitz  

Im Mai 1741 schlossen Frankreich, Spanien und Bayern zu Nymphenburg ein Bündnis. Frankreich versprach darin Kurfürst Karl Albrecht die nötige Waffenhilfe gegen Österreich und sagte ihm seine Unterstützung nicht nur beim Erwerb der deutschen Kaiserkrone, sondern auch bei der Eroberung von Böhmen, Ober- und Vorderösterreich nebst Tirol zu. Frankreich bedang sich dafür aus, alle Gebiete, die es am Rhein und in den Niederlanden erobern würde, zu behalten.

Die französischen Rüstungen beunruhigten wiederum Georg II. aufs höchste. Er fürchtete einen gemeinsamen französisch-preußischen Angriff auf Hannover. Um dieser Gefahr zu entgehen, beendete er die Dresdener Verhandlungen und versuchte zwischen Preußen und Österreich zu vermitteln. Die englischen Vorschläge, Preußen auf Kosten Österreichs zu befriedigen, lehnte der Wiener Hof ab.

Da England nicht in der Lage war, Preußen Schlesien zu garantieren, trat Friedrich am 4. Juni 1741 dem Nymphenburger Vertrag bei. Frankreich bestätigte Preußen die Eroberung Schlesiens. Diesem Bündnis schloß sich 1741 - neben Sardinien - auch Sachsen an, das dafür Mähren, Oberschlesien und Teile von Böhmen zugesagt erhielt.

Die militärischen Rüstungen Bayerns und Frankreichs beseitigten die außenpolitischen Gefahren für Preußen. Als gar Schweden im September 1741 Rußland überfiel, fühlte Friedrich sich sicher und erwog sogar die Besetzung einiger böhmischer Kreise. Zunächst allerdings erwies sich das preußische Heer als unfähig, die österreichischen Truppen aus Schlesien zurückzudrängen. Auch die Einnahme von Passau durch bayrische Truppen am 31. Juli 1741, der französische Rheinübergang am 15. August, der Einfall bayrischer Regimenter nach Österreich am 14. September veranlaßten den Wiener Hof nicht, seine Verbände in Schlesien zu schwächen. Preußen bemühte sich deshalb mit allen Kräften, die bayrisch-französischen Streitkräfte in harte Kämpfe mit den Österreichern zu verwickeln, um die Lasten des Krieges abwälzen zu können.


   Gefangene werden vorgeführt

Die Gefahr eines langwierigen Koalitionskrieges ließ Friedrich jedoch um die knappen Finanzmittel Preußens fürchten. Er meinte, daß es nun an der Zeit wäre, Preußen aus dem Kriege herauszuführen. Wenige Monate nach Abschluß des Bündnisses mit Frankreich und Bayern nahm er mit Hilfe Englands erneut Kontakt zum Wiener Hof auf und schlug vor, die Kampfhandlungen einzustellen. Dafür sollte Österreich vorläufig auf Schlesien verzichten. Mit diesem Übereinkommen verfolgte Preußen die Absicht, seine Kräfte zu schonen, während sich Österreich und Frankreich in einem langwierigen Krieg gegenseitig erschöpften. 

Ihre Ermattung betrachtete der preußische König als Gewähr, daß ihm niemand mehr Schlesien streitig machen könne.

Der Wiener Hof ging aus taktischen Erwägungen auf den preußischen Vorschlag ein, und am 9. Oktober 1741 schlossen Friedrich II. und Maria Theresia den geheimen Vertrag von Kleinschnellendorf. Die österreichischen Truppen räumten daraufhin Schlesien und konnten sich gegen die französisch-bayrischen Truppen wenden, während Preußen alle Kampfhandlungen gegen Österreich einstellte. Da sich die militärische Lage bis Ende 1741 zugunsten der französisch-bayrisch- sächsischen Truppen entwickelte, beeilte sich Preußen, alle geheimen Absprachen mit dem Wiener Hof zu leugnen und sich wiederum aktiv in die Kampfhandlungen einzuschalten, um einen noch größeren Anteil an der bald fälligen herrenlosen österreichischen Erbmasse zu erlangen. Nachdem Preußens Alliierte am 25./26. November 1741 Prag erobert hatten, befahl Friedrich seinen Truppen, in Böhmen und Mähren Quartier zu beziehen und Oberschlesien zu besetzen.

Der mährische Feldzug 1742

Der preußische Vormarsch nach Böhmen und Mähren traf auf keinen Widerstand, weil die österreichische Heeresleitung im Vertrauen auf das Abkommen von Kleinschnellendorf dieses Gebiet von Truppen entblößt hatte.

Nachdem die preußischen Truppen am 27. Dezember 1741 die Festung Olmütz besetzt hatten, befanden sich die französisch-bayrisch-sächsisch-preußischen Truppen im Besitz von Nordmähren und des größten Teils Böhmens. Im Raum Olmütz standen etwa 15.000 preußische Soldaten. Die unmittelbaren Zugänge nach Prag deckten im Raum Deutsch-Brod ein Korps von 25.000 Sachsen und Franzosen unter Führung des sächsischen Generals Graf August Friedrich von Rutowski und im Raum Pisek ein französisch-bayrisches Korps unter Marschall Herzog Victor François Broglie mit 13.000 Mann.


französisches Lager in Böhmen      

Die erneute Aufnahme aktiver Kampfhandlungen durch Preußen war von dem Streben diktiert, sich mit geringsten Opfern einen größtmöglichen Teil der bevorstehenden Beute zu sichern. Friedrich II. beabsichtigte, durch seine Operationen Österreich entscheidend zu schwächen, ohne es zu zerschlagen, Sachsen und Bayern von sich abhängig zu machen und den Einfluß Frankreichs zu paralysieren, weil es sich einer zu umfangreichen Vergrößerung Preußens widersetzt hätte.

Dementsprechend entwarf er den Operationsplan, wobei er den französischen Vorschlag ablehnte, sich mit den preußisch-sächsischen Truppen über Iglau-Neuhaus bei Budweis mit den französischen Verbänden zu vereinigen, weil er befürchtete, damit seine politische und militärische Handlungsfreiheit zu verlieren. Er gab vielmehr einem Vormarsch über Iglau nach Znaim den Vorzug. Mit der dadurch erreichten Bedrohung Wiens glaubte er das österreichische Kabinett zu weiteren Gebietsabtretungen zwingen zu können. Da es ihm außerdem gelang, den sächsischen Herrscher von den angeblichen militärischen Vorteilen dieses Planes zu überzeugen, unterstellte ihm dieser das sächsische Korps.


 preuß. Offiziere

Anfang Februar 1742 begannen die preußisch-sächsischen Truppenbewegungen. Am 10. Februar vereinigten sie sich bei Groß-Bitesch. Zwei Tage darauf stießen die Alliierten langsam nach Süden vor. Ihr bedächtiger Vormarsch gab den Österreichern Gelegenheit, unter weitestgehender Bergung der Magazine auszuweichen. Mitte Februar hatten die Alliierten Iglau erreicht, und am 19. Februar bezog das preußische Korps entlang der Thaya von Vöttau bis Kronau Stellung. Die erhoffte politische Wirkung war jedoch ausgeblieben. Österreich hatte die Vorschläge Friedrichs II., daß er den Kampf einstellen würde, wenn Maria Theresia zugunsten Preußens auf Schlesien, zugunsten Bayerns auf Böhmen und zugunsten Sachsens auf Mähren verzichtete, schroff zurückgewiesen.

Die leichtsinnig vorbereitete Offensive der preußisch-sächsischen Truppen in Mähren hatte sich damit selbst lahmgelegt. Zu einem weiteren Vormarsch waren die bereitgestellten Kräfte zu schwach. In der Erwartung eines schnellen Friedensschlusses hatte man außerdem die Magazinversorgung vernachlässigt, so daß insbesondere bei den sächsischen Regimentern Proviantmangel auftrat. Die preußischen Generale meinten, sich dadurch schadlos halten zu können, indem sie das den sächsischen Verbündeten zugesprochene Mähren ausplünderten. So mußte allein der Kreis Olmütz 100 000 Gulden bezahlen und 1023 Rekruten zwischen 18 und 36 Jahren stellen. Aus dem Kreis Iglau wurden 70 000 Gulden und 300 Rekruten und aus dem Distrikt Manhartsberg gar 400 000 Gulden gepreßt. Auch die österreichischen Kreise nördlich der Donau wurden gezwungen, je 20000 Metzen Hafer und je 12000 Zentner Heu abzuliefern.

Nach langem Zögern traten die preußisch-sächsischen Truppen am 8. März 1742 schließlich den Rückzug nach Brünn an. Ihr Abmarsch wurde durch häufige Überfälle österreichischer Husaren gestört, die sich mit den aufständischen Bauern, deren Abteilungen mitunter 4000 Mann stark waren, vereinigt hatten. Bis Mitte März hatten sich die Hauptkräfte der Alliierten bei Brünn vereinigt und am 27./28. März die Festung eingeschlossen. 

Um während der Belagerung nicht von Schlesien abgeschnitten zu werden, wurde ein preußisches Hilfskorps bei Jägerndorf postiert. Die österreichische Heeresleitung hatte sich indessen entschieden, Brünn zu halten und die Hauptanstrengungen gegen das preußisch-sächsische Korps zu konzentrieren. Deshalb schwächte sie die Truppen Khevenhüllers in Bayern zugunsten der Armee des Prinzen Karl, der seine Stellungen bei Tabor-Budweis wiederum an Lobkowitz abgab und sich mit über 30.000 Mann und 40 Kanonen nach Mähren wandte. Die Nachricht vom Anmarsch der Österreicher veranlaßte das hungernde und durch Seuchen geschwächte preußisch-sächsische Korps am 3. April 1742, die Belagerung Brünns aufzuheben, Mähren zu räumen und nach Böhmen zurückzugehen.


Belobigung      

Die sächsischen Truppen marschierten nach Prag ab; die preußischen Truppen in Mähren vereinigten sich am 17. April mit den bei Chrudim lagernden preußischen Truppen in Böhmen.

Die Schlacht bei Chotusitz und der Friede zu Breslau

Preußen hatte schon vor der Räumung Mährens seine Friedensverhandlungen mit dem Wiener Hof intensiviert. Im preußischen Lager glaubte man, rasch zu einem Abschluß kommen zu können, weil an seine Forderungen wieder nur auf Schlesien beschränkt hatte. So nahm Friedrich II. auch an, daß die österreichische Armee, nachdem Mähren geräumt worden war, nicht ihn, sondern die schwachen französischen Truppen bei Budweis angreifen würde.

Anfang Mai wurde aber die Angriffsabsicht der Österreicher gegen das zum preußischen Versorgungsstützpunkt ausgebaute Prag deutlich. In völliger Unkenntnis des Standorts des österreichischen Heeres beschloß Friedrich am 14. Mai, mit einem Drittel seiner Truppen sein Lager bei Chrudim zu verlassen und dem Gegner den Weg nach Prag zu verlegen. Die Mehrzahl der Truppen, deren Oberbefehl er dem Erbprinzen Leopold von Dessau übertrug, sollte erst folgen, wenn ein dringend erwarteter Brottransport eingetroffen war.


österreichische Infanterie

Nachdem Friedrich II. mit 10 Bataillonen und 20 Schwadronen in Richtung Chotusitz-Kuttenberg vorgegangen war, schob sich das österreichische Korps zwischen die Truppen des preußischen Königs und die des Erbprinzen von Dessau. Der österreichischen Heerführung eröffnete sich die Möglichkeit, die preußischen Truppen einzeln zu schlagen. Leopold von Dessau erkannte diese Gefahr und führte seine Truppen in weitem Bogen nach Chotusitz, wo sie sich mit den restlichen Regimentern vereinigten. Wie bei Mollwitz hatten die Preußen ihre rückwärtigen Verbindungen nach Schlesien verloren. Die Österreicher versuchten, das hin und her manövrierende preußische Heer zu überfallen. Am 17. Mai 1742 trafen die Truppen bei Chotusitz aufeinander.

Den Sieg nutzte das preußische Heer vor allem dazu aus, die abgerissene Verbindung zu den Magazinen wiederherzustellen. Gleichzeitig übermittelte Friedrich II. Österreich einen Friedensvorschlag. Allerdings wurden die Forderungen wieder hochgeschraubt. Neben Schlesien verlangte er die Abtretung einiger böhmischer Kreise. Der Sieg der französischen Truppen am 25. Mai bei Sahay über Lobkowitz schien dabei seine Verhandlungsposition zu stärken. Aber die österreichische Führung beantwortete das preußische Ansinnen damit, daß sie ihre Truppen zusammenzog und erneut den Angriff auf Prag vorbereitete. In der Besorgnis, sich noch einmal mit den österreichischen Truppen messen zu müssen, in Kenntnis, daß der Kriegsschatz nur noch 150 000 Taler betrug, nahm Friedrich II. von seinen Forderungen auf böhmische Gebiete Abstand und unterzeichnete am 11. Juni 1742 einen zwölf Artikel umfassenden Vorvertrag, der am 28.Juni endgültig ratifiziert wurde.

In diesem Frieden zu Breslau erhielt Preußen Ober- und Niederschlesien mit der Grafschaft Glatz zugesprochen. Preußen trat dafür aus dem gegen Österreich gerichteten Bündnis aus und übernahm die österreichischen Schulden in Schlesien in Höhe von 1,7 Millionen Gulden gegenüber England.

Zwischenzeit

Im Juni 1743 sah der preußische König sein ganzes politisches Kartengebäude zusammenstürzen. Was er hatte vereiteln wollen, war geschehen: Österreich und England hatten die Oberhand gewonnen. Der bayrische Kurfürst, zugleich deutscher Kaiser, war arg bedrängt. Mit dem Niedergang Bayerns fürchtete Preußen, daß Habsburg ein Übergewicht in Deutschland erlangen würde.

Am 5. Juni 1744 unterzeichnete der preußische Beauftragte Graf Friedrich von Rothenburg den preußisch-französischen Bündnisvertrag, in dem sich Preußen verpflichtete, im August den Krieg gegen Österreich zu eröffnen. Frankreich versprach, die Operationen des preußischen Heeres durch die Überschreitung des Rheins und einen Vorstoß nach Böhmen zu unterstützen.

Über diesen letzten Punkt des Abkommens entspannen sich zwischen Versailles und Berlin langwierige Erörterungen. Preußen wollte erst dann gegen Böhmen vorgehen, wenn die französischen Truppen starke österreichische und englische Kräfte gebunden hatten. Umgekehrt dachte Frankreich, daß die ausgeruhte preußische Armee zuerst die österreichischen Truppen angreifen solle, ehe das französische Heer seine Hauptoperationen beginne. Frankreichs Widerstand war auch deshalb so heftig, weil es der Vertragstreue Preußens mißtraute. 


Kaiser Karl VII.

Nach langwierigen Verhandlungen einigte man sich dahingehend, daß die Hauptanstrengungen des französischen Heeres gegen Flandern gerichtet wurden, wo sich die Pragmatische Armee befand. Eine zweite französische Armee sollte zusammen mit den kaiserlichen Truppen den Rhein überschreiten und gegen Bayern und Hannover vorgehen. Preußen dagegen verpflichtete sich, Mitte August in Böhmen einzufallen, Prag zu erobern und nach Pilsen vorzustoßen. Mit diesem Feldzugsplan beabsichtigte man, die österreichische Hauptarmee, die im Breisgau und in der Oberpfalz Quartier bezogen hatte, zum Rückzug auf Oberösterreich zu zwingen.

Der 2. schlesische Krieg

Preußen hatte die zwei Friedensjahre dazu benutzt, die Armee um 9 Feldbataillone, 20 Husarenschwadronen und 7 Garnisonsbataillone zu vermehren. Außerdem führte man bei der Kavallerie und der Infanterie am 1. Juni 1743 ein neues Reglement ein, in dem die Erfahrungen des Ersten Schlesischen Krieges berücksichtigt wurden. Der Staatsschatz war bis Kriegsbeginn wieder auf 6 Millionen Taler angewachsen.

Zur Mobilmachung des Heeres wurden ab 1. Juli 1744 die Beurlaubten einberufen, und am 23. Juli erhielten die Regimenter Befehl, binnen 24 Stunden marschbereit zu sein. Ab 23. Juli trafen bei den Kommandeuren die Marschbefehle ein. Das preußische Heer wurde zum Vormarsch nach Prag in drei Heeressäulen gegliedert.

Der Feldzug in Böhmen 1744

Am 1. September sollten sich die drei getrennt marschierenden Heeressäulen bei Prag vereinen. Zur Deckung von Oberschlesien wurde ein Korps unter General Heinrich Karl von Marwitz bereitgestellt, das in Mähren einmarschieren und die Festung Olmütz einnehmen sollte.

Am 5. August 1744 erschien der preußische Staatsminister von Wallenroth beim sächsischen Kurfürsten, Friedrich August II. (August III. von Polen), und forderte für 50.000 bis 60.000 Mann «Kaiserliche Hilfstruppen» freien Durchmarsch durch Sachsen. Friedrich II. bemäntelte nämlich seinen Kriegseintritt mit der Behauptung, daß Preußen nur im Interesse der Souveränität und Freiheit des Kaisers zu den Waffen griffe. Das mit Österreich verbündete Sachsen wurde vom preußischen Aufmarsch überrascht. 

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  Feldzug in Böhmen

Sein 30.000 Mann starkes Heer befand sich in den Garnisonen und konnte nicht rechtzeitig mobilisiert werden. Am 7. August erteilte deshalb August III. notgedrungen seine Zustimmung, worauf Preußen am 10. August 1744 Österreich den Krieg erklärte. Vom 12. August an überschritten die preußischen Truppen die sächsische Grenze und hatten etwa am 23. August die sächsisch-böhmische Grenze erreicht. In Böhmen standen zu diesem Zeitpunkt nur geringe österreichische Kräfte. Die Gesamtstärke des österreichischen Heeres betrug etwa 192.000 Mann. Beträchtliche Kräfte waren in Italien, in den österreichischen Niederlanden und an der südungarischen Grenze eingesetzt.

Den preußischen Regimentern standen bei ihrem Einmarsch in Böhmen keine österreichischen Feldtruppen gegenüber. Ungehindert konnten die drei Heeressäulen gegen Prag vorrücken, wo sie Anfang September zusammentrafen. Sie warteten unter den Mauern von Prag jedoch noch die Ankunft der schweren Artillerie ab. Erst dann begann am 10. September die förmliche Belagerung der Festung, wenige Tage darauf, am 16., war die Stadt sturmreif. Doch der Kommandant wartete den Sturm nicht ab, sondern kapitulierte ausgangs des Tages. 130 Kanonen, 9000 Gewehre, reiche Vorräte an Munition, Ausrüstungsgegenständen und Lebensmitteln fielen in preußische Hand. Von den Gefangenen wurden 2.500 Mann in die preußische Armee gepreßt und der Stadt eine Kontribution von 1,3 Millionen Gulden auferlegt. Mit dem Verlust von nur 50 Toten und 110 Verwundeten hatte die preußische Armee mit einem leichten Erfolg den Feldzug eingeleitet. Die Einnahme Prags schuf aber nur die Voraussetzungen zur Verwirklichung des Gesamtplans. Das nächste Ziel des preußischen Vormarsches war die Eroberung von Budweis und Tabor. Friedrich erwartete, daß die kaiserlich-französischen Truppen in Süddeutschland die nach Osten abmarschierende österreichische Hauptarmee verfolgen würden. Die Österreicher würden dann von Front und Rücken her bedroht sein und würden sich nach Oberösterreich zurückziehen müssen. Auch ein Eingreifen Sachsens stand dann nicht zu befürchten, und die preußische Armee konnte sich während des Winters in Böhmen aus dem Land ernähren.

Am 19. September begann das preußische Heer nach Süden vorzustoßen. In Prag blieben nur 6 Bataillone unter dem Kommando von Generalleutnant Gottfried Emanuel von Einsiedel zurück. Friedrich II. teilte seine Armee wiederum in drei Kolonnen auf: Die Vorhut unter General Christoph Ernst von Nassau erhielt den Auftrag, mit 10 Bataillonen und 30 Schwadronen von Prag über Tabor, Frauenberg nach Budweis zu marschieren und diese Plätze einzunehmen. Außerdem sollte Nassau Bäckereien und Magazine einrichten und geeignete Lagerplätze für das Hauptheer auswählen.


Nassau  

Das Hauptheer wurde in zwei Kolonnen gegliedert. Generalfeldmarschall Schwerin hatte der Vorhut auf dem Fuße zu folgen, während der Erbprinz Leopold von Dessau moldauaufwärts vorgehen sollte. Am 23. September fiel Tabor, am 30. Budweis und am 1. Oktober Frauenberg in preußische Hand. Anfang Oktober befand sich Friedrich im Besitz des Gebiets um Budweis. Doch trotz des Raumgewinns war die Lage des preußischen Heeres höchst unsicher. Das österreichische Oberkommando hatte sich wider Erwarten entschlossen, die Hauptkräfte seiner Armee in Böhmen zu konzentrieren. Sie wurden durch das Ende August in Böhmen eingetroffene Korps Batthyánys verstärkt, das sich am 3. Oktober mit dem Hauptheer unter der Führung von Prinz Karl vereinigte. Danach betrug die Stärke der österreichischen Armee in Böhmen Anfang Oktober 50.493 Mann, darunter 32.218 Mann Infanterie, 15.118 Mann Kavallerie und 3.157 Mann leichte Truppen mit 50 Kanonen.

Die zahlenmäßig unterlegene österreichische Armee konnte es nicht wagen, den preußischen Truppen in offener Feldschlacht gegenüberzutreten. Sie beschränkte sich deshalb darauf, an den überaus empfindlichen Verbindungslinien des preußischen Heeres zu operieren. Nachdem die Preußen Prag verlassen hatten, besetzten leichte österreichische Abteilungen Beraun sowie Königssaal und durchschnitten somit die preußischen Verbindungslinien nach Prag. Ständig umschwärmten österreichische Husaren und Kroaten das preußische Heer. Sie überfielen preußische Proviantkolonnen, behinderten die Aufklärung und fingen Kuriere ab.


             Winterquartier

Die preußische Heeresleitung erhielt in den nächsten vier Wochen keine brauchbaren Nachrichten über Standort und Verbleib der österreichischen Armee. Hinzu kam, daß Verpflegungsschwierigkeiten auftraten. Der Nachschub wurde weitestgehend von den Österreichern aufgebracht, und Futter für die Pferde war in der Umgebung kaum mehr zu erlangen, da die wendigen leichten österreichischen Truppen jede Fouragierung zu einem gefährlichen Unternehmen machten. Die böhmische Bevölkerung nahm ebenfalls eine feindselige Haltung gegen die preußischen Truppen ein, floh aus den Dörfern und verbrannte die Getreidevorräte.

Friedrich bemühte sich deshalb, die österreichische Armee zu stellen und zu schlagen. Nur damit glaubte er der Versorgungsnöte Herr werden und sich die Winterquartiere in Böhmen sichern zu können. Durch falsche Nachrichten mobilisiert, irrte das preußische Heer zwichen Budweis und Tabor auf der Suche nach dem österreichischen Hauptheer umher, was Prinz Karl ausnutzte, um am 9. Oktober bei Moldauthein einen preußischen Versorgungstransport mit 80.000 Brotrationen zu überfallen und zu zersprengen. Der König mußte sich daraufhin entschließen, Budweis aufzugeben und auf das Magazin von Tabor zurückzugehen. Auch dort verharrte das preußische Heer wieder einige Tage in der Erwartung, die österreichischen Truppen zur Schlacht stellen zu können. Aber die Hoffnung trog.

Der Zustand der preußischen Armee verschlechterte sich schnell. Statt Brot konnte häufig nur noch Mehl ausgegeben werden. Die armselige und eintönige Kost führte neben der ungünstigen Witterung zu zahlreichen Erkrankungen. Insbesondere die Ruhr minderte rasch die Zahl der Einsatzfähigen. Außerdem desertierten preußische Soldaten in steigender Zahl. Die ungewöhnlich hohe Quote ergab sich - außer aus dem schlechten Zustand der Armee - vor allem daraus, daß im Ersten Schlesischen Krieg in Mähren viele österreichische Landeseinwohner zum Dienst in die preußische Armee gezwungen worden waren und daß das in Schlesien eingeführte Kantonsystem viele Widerwillige zum Dienst im Heer gezwungen hatte. Der Krieg gab ihnen viele Gelegenheiten, dem verhaßten Drill zu entweichen. Ab Mitte Oktober trafen täglich 50 bis 60 Überläufer bei den Österreichern ein. Am 12. Oktober sah sich Friedrich deshalb gezwungen, strenge Maßnahmen zur Verhütung der Fahnenflucht anzuordnen. Um den unerträglichen Zustand in seinem Rücken zu beenden, entschloß sich Friedrich II. am 17. Oktober, von Tabor nach Beneschau zurückzugehen. 

Von dort aus konnte er sowohl Prag decken als auch die Verbindungen zu seinen Magazinen in Pardubitz und in Schlesien herstellen. Er beabsichtigte, nördlich der Sazawa Winterquartier zu beziehen und damit doch noch den Feldzug erträglich abzuschließen. Die österreichische Führung vereitelte jedoch diese Absicht. Am 22. Oktober hatte sich Prinz Karl mit einem sächsischen Hilfskorps in Stärke von 20.000 Mann vereinigt. Er war jetzt dem geschwächten preußischen Heer um 10.000 Mann überlegen. Die österreichisch-sächsische Armee folgte deshalb den preußischen Truppen nach Beneschau und bezog 10 Kilometer von ihnen entfernt ein durch Teiche, Bäche und Sümpfe geschütztes Lager. Gleichzeitig unterbrachen leichte Truppen die preußischen Verbindungen nach Prag und Schlesien.


österr. Kavallerie  

Nachdem die preußische Führung das Lager der Österreicher erkundet hatte, entschloß sie sich, am 24. Oktober die Armee angreifen zu lassen. In acht Kolonnen traten die Truppen im Morgengrauen an. Aber erst bei Anbruch der Nacht erreichten sie das österreichisch-sächsische Lager. Beide Seiten standen sich die ganze Nacht hindurch gefechtsbereit gegenüber. Friedrich II. mußte jedoch am folgenden Tag erkennen, daß die Österreicher die Stellung so gut gewählt hatten, daß ein Angriff keine Aussicht auf Erfolg hatte. Für die preußische Armee kam die nicht geschlagene Schlacht einer Niederlage gleich. Die Preußen räumten das Lager von Beneschau, gingen über die Sazawa und Anfang November über die Elbe zurück, hinter der sie Winterquartiere beziehen zu können glaubten. Eine Überschreitung der Elbe durch österreichische Truppen sollte deshalb unter allen Umständen verhindert werden. Friedrich II. sah den Feldzug im wesentlichen für beendet an.

Am 19. November forcierten aber österreichische Truppen bei Teltschitz die Elbe und zwangen das preußische Heer, Böhmen zu räumen. Friedrich erteilte am selben Tag den allgemeinen Rückzugsbefehl. Auch Einsiedel wurde befohlen, Prag zu verlassen. Die an der Elblinie verstreut lagernden preußischen Truppen vereinigten sich am 24. November bei Königgrätz. Anfang Dezember erreichten die ersten preußischen Abteilungen Schlesien. Auf ihrem Rückzug erlitten sie durch Überfälle leichter Truppen und bewaffneter Bauern, durch Desertionen und Krankheiten hohe Verluste. Allein zwischen dem 26. November und dem 4. Dezember flohen 9.000 Soldaten aus der preußischen Armee. Am ärgsten erging es der Besatzung von Prag. Sie hatte bereits in der Stadt 164 Kanonen zurücklassen müssen. Während der Flucht verlor sie dann noch ihre gesamte Bagage und weitere 34 Kanonen. Von ihren 17.000 Mann erreichten österreichischen Angaben zufolge nur 2.000 die schlesische Grenze.


      Munitionswagen

Die österreichische Führung, deren geistiger Lenker Generalfeldmarschall Otto Ferdinand von Traun war, hatte die preußische Armee unter nahezu völliger Auflösung über die schlesische Grenze manövriert. Friedrich II. hatte die Machtmittel seines Staates weit überschätzt und demzufolge keines seiner politischen Ziele in dem viermonatigen Feldzug verwirklichen können. Die preußische Hauptarmee kam vielmehr in einem unbeschreiblichen Zustand in Schlesien an. 30.000 Mann - darunter auch Offiziere - waren fahnenflüchtig geworden. 

Seuchen und Krankheiten hatten bedeutende Lücken in die Reihen der Bataillone gerissen. Die Verluste an Kriegsmaterial, an Pferden und Waffen, Bekleidung, Proviantwagen usw. hatten einen Wert von mehreren Millionen Talern. Die Armee und das Offizierskorps waren entmutigt und demoralisiert. Der Oberpräsident von Schlesien, Ludwig Wilhelm von Münchow, beklagte sich über die Disziplinlosigkeit der Armee. Mißhandlungen, Plünderungen und Totschlag seien alltäglich. Wörtlich äußerte er: «Wir haben keine Armee mehr, was wir haben, ist nichts als ein Haufen Menschen, noch beieinandergehalten durch die Gewohnheit und die Autorität der Offiziere, und diese Offiziere selbst sind mißvergnügt, viele von ihnen in verzweifelter Lage; es bedarf nur noch der geringsten Schlappe oder der Fortsetzung des Krieges in dieser Jahreszeit, um es zur Meuterei unter den Soldaten zu bringen, wie wir sie bei der Disziplin unserer Armee nicht mehr für denkbar gehalten haben.»

Der Widerstand der schlesischen Bevölkerung, besonders der in Oberschlesien, gegen das preußische Regime versteifte sich. Selbst in den alten Provinzen Preußens wandte sich die Stimmung des Adels gegen den Krieg. In Regierungskreisen wurde scharfe Kritik an der Politik des Königs geäußert. 

Außenminister Podewils meinte, die ganze Welt nehme an, daß wir zur Erhaltung einer Armee von 140.000 Mann weder Rekruten noch Einkünfte hätten und daher immer Kriege anfingen, um mehr Land zur Erhaltung derselben zu gewinnen. Seines Erachtens sei der hohe Militärfuß auf gewisse Weise als die Hauptwurzel alles Unglücks anzusehen. Um der drohenden Niederlage zu entgehen und die Opposition im Innern zu besänftigen, versuchte der preußische König durch Vermittlung Englands und der Niederlande Friedensverhandlungen einzuleiten. Der Wiener Hof wies jedoch alle derartigen Vorschläge zurück.


Rekrutentransport                

Der österreichische Angriff gegen Oberschlesien

General Marwitz, der mit der Sicherung Oberschlesiens betraut worden war, und zu diesem Zweck Olmütz einnehmen sollte, war in seinen Bewegungen durch die Operationen leichter österreichischer Truppen gelähmt worden. Er wagte es nicht, über Troppau hinauszugehen, und begnügte sich mit der Postierung seiner Truppen entlang der schlesisch-mährischen Grenze. Nach dem mißglückten Feldzug der preußischen Armee in Böhmen gingen nun die leichten österreichischen Truppen zum Angriff über. Sie brachen Anfang Dezember in die Grafschaft Glatz und in Oberschlesien ein. Maria Theresia nahm diese Vorstöße zum Anlaß, um Prinz Karl zu befehlen, in Oberschlesien Quartier zu nehmen. Darauf marschierten Mitte Dezember 13 Bataillone und 7 Kavallerieregimenter unter Führung von Marschall Traun in Oberschlesien ein. General Marwitz räumte Troppau, Jägerndorf und Ratibor und wich nach Kosel aus. Um die Lage zu retten, ordnete Friedrich II. an, eine genügend starke Truppenmacht zusammenzuziehen und die österreichischen Truppen aus Oberschlesien zu vertreiben. Am 8. Januar 1745 gingen deshalb 48 Bataillone und 110 Eskadronen unter der Führung Fürst Leopolds von Dessau über die Neiße.


Grenadierhelm

Traun, dessen Kräfte zu gering waren, eine Schlacht anzunehmen, zog sich über Neustadt nach Mähren zurück. Damit war aber nur ein Teil Oberschlesiens wiedererobert worden. Östlich der Oder behaupteten sich weiterhin die leichten österreichischen Abteilungen. Sie dehnten ihre Streifzüge bis nach Kreuzburg, ja bis vor die Tore Breslaus aus. Die preußischen Truppen konnten gegen diesen wendigen Gegner keinen dauernden Erfolg erringen. Doch nicht nur die militärische Lage hatte sich in einem für Preußen ungünstigen Sinne entwickelt, auch seine politische Situation verschlechterte sich. Am 8. Januar 1745 war zwischen Österreich, England, Holland und Sachsen in Warschau eine Quadrupelallianz vereinbart worden.

Die vier Mächte verpflichteten sich darin, die wirksamsten Maßregeln zu ergreifen, Frankreich und Preußen zu zerschlagen. Sachsen sollte gegen eine jährliche Subsidienzahlung von 150 000 Pfund Sterling 30.000 Mann ins Feld stellen. Wenige Tage darauf, am 20. Januar 1745, starb Karl VII. Sein Sohn, Kurfürst Maximilian Josef von Bayern, beendete am 22. April im Frieden zu Füssen den Krieg mit Österreich, womit Preußen einen weiteren Verbündeten verlor. Frankreich nahm diesen Schritt zum Anlaß, die Masse seiner Truppen hinter den Rhein zu führen und sich auf die Eroberung der Niederlande zu konzentrieren. Friedrich II. konnte also nicht mehr damit rechnen, daß er 1745 durch einen französischen Angriff am Rhein Entlastung finden würde.

Das Jahr 1745

In Absprache mit dem sächsischen Oberbefehlshaber, dem Herzog von Sachsen-Weißenfels, plante Prinz Karl, das preußische Heer 1745 aus Schlesien zu vertreiben. Es war vorgesehen, die Hauptarmee zwischen Königgrätz und Königinhof zu versammeln und entweder über Glatz oder Braunau nach Breslau vorzustoßen. Zur Unterstützung des Angriffs sollten sächsische Truppen in der Lausitz vorgehen und die in Oberschlesien stehenden leichten Truppen in den Rücken des preußischen Heeres vordringen.

Um die preußische Führung über die Hauptstoßrichtung zu täuschen, ordnete Prinz Karl das demonstrative Vorgehen der Gruppe Ignon gegen Jägerndorf, des ungarischen Aufgebots östlich der Oder und der sächsischen Ulanen über Friedland in die Lausitz an. In der Hauptstoßrichtung wurden Husaren und Kroaten zur Aufklärung und zur Verschleierung eingesetzt. Friedrich II. bemühte sich nach dem verlustreichen Feldzug in Böhmen, die Armee wieder auf ihre volle Stärke zu bringen.

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Jägerndorf - Glatz     

Die dazu erforderlichen Geldmittel waren aber nur noch im beschränkten Umfang verfügbar. Der preußische Etat war im März 1745 um 4,5 Millionen Taler überzogen worden. Preußen versuchte vergeblich, in Holland, in Brabant oder in Kleve eine Anleihe aufzunehmen. In London ließ der König sondieren, ob man dort Neigung zum Ankauf von Emden habe. Die mißliche Lage seiner Finanzen veranlaßte ihn schließlich, Frankreich um die Zahlung von 3 Millionen Taler Subsidiengelder zu ersuchen. Für die Deckung der dringendsten Bedürfnisse wurden eine Zwangsanleihe im eigenen Land und die Einschmelzung des königlichen Silbergeräts angeordnet.

Alle Maßnahmen, die zur Ergänzung des Heeres getroffen wurden, ließen sich deshalb nur langsam verwirklichen. Über 500 Offiziere waren im Dezember zur Werbung in nichtpreußische Gebiete entsandt worden. Am 31. Dezember 1744 erließ Friedrich sogar einen Generalpardon «vor die ausgetretenen Deserteurs und Enrollirten». Ihnen wurde nicht nur Straffreiheit, sondern auch ein Handgeld von 6 Talern zugesagt. Außerdem wurden 2.700 österreichische Kriegsgefangene in die Armee eingestellt und 3.200 preußische Gefangene ausgewechselt. Vor allem aber trieb man die Aushebung im eigenen Lande voran. Jedem Regiment wurden 40 Kantonisten zugewiesen. Einen Teil der Rekruten erhielt Preußen aus Ansbach, Sachsen-Gotha und Sachsen-Meiningen. Um den Widerstand der Bevölkerung in Preußen gegen die Aushebungen zu brechen, ging die Regierung mit scharfen Erlassen und mit bewaffneter Gewalt vor. Die zwangsgemusterten Rekruten ergriffen aber jede Gelegenheit, sich dem Heeresdienst zu entziehen. So entliefen allein bei Krossen 94 Rekruten der Regimenter Münchow und Braunschweig.

Ende April fehlten an der Sollstärke des preußischen Heeres in Schlesien noch rund 10.000 Mann. Die geringen Finanzmittel des Staates, die eine völlige Ergänzung der verlorengegangenen Ausrüstung verhinderten, sowie die relative Schwäche der Armee zwangen die militärische Führung Preußens in die Defensive. 


Friedrich mit Offizieren

Friedrich II. erwartete, daß die Österreicher im Frühjahr Oberschlesien angreifen würden. Dementsprechend verteilte er seine Streitkräfte. Bis zum 14. Mai war die Versammlung aller Gruppen des österreichischen Heeres, mit Ausnahme der Gruppe Ignon und der Grenztruppen, bei Königgrätz abgeschlossen. Prinz Karl plante, über Trautenau-Liebau-Landeshut in Schlesien einzudringen und die preußische Armee entweder von ihren Verbindungen zur Mark Brandenburg abzuschneiden oder zur Schlacht zu stellen. Da die Preußen keine Anstalten machten, die Gebirgspässe zu sperren, glaubte die österreichische Heeresleitung, daß sie sich auf Breslau zurückgezogen hätten, um die Verbindung zur Mark Brandenburg aufrechtzuerhalten. Sie vermutete auch, daß der Vorstoß der Gruppe Ignon in den Rücken des preußischen Heeres bei Neiße und Kosel den Rückzug bewirkt hätte.

Am 23. Mai trat daraufhin das österreichische Operationsheer den Marsch nach Schlesien an. Am 3. Juni hatte es das Riesengebirge überquert und erreichte bei Striegau die schlesische Ebene. Friedrich war durch General Hanns Karl von Winterfeld über alle österreichischen Bewegungen unterrichtet worden. Ab 27. Mai verstärkte er das Hauptheer durch die Gruppen Lehwaldt, Markgraf Karl und Truchseß und befahl, am 29. Mai das Lager bei Frankenstein zu verlassen und am 1. Juni bei Jauernick ein neues zu beziehen. Er wollte dabei günstige Positionen gewinnen und die österreichische Armee überfallartig angreifen, noch bevor sie sich in Schlesien entfalten konnte. Er führte deshalb auch seine Truppen in einem Nachtmarsch vom 3. zum 4. Juni in unmittelbare Nähe des österreichisch-sächsischen Lagers und ließ sie im Morgengrauen angreifen.

Mit der Schlacht bei Hohenfriedberg lieferte Friedrich II. sein Meisterstück. Sie war ein großer taktischer und operativer Erfolg des preußischen Heeres, der jedoch ohne strategische oder gar politische Folgen bleiben sollte. Friedrich II. meinte allerdings, daß dieser Sieg Österreich zu Friedensverhandlungen bewegen werde. 

Er wurde in seiner Auffassung bestärkt durch die Nachricht vom Sieg einer französischen Armee am 11. Mai 1745 bei Fontenoy über die Pragmatische Armee und vom Vordringen eines französischen Korps unter Prinz Conti über die Lahn. Nach Friedrichs Erachten mußten Österreich und vor allem England jetzt allergrößtes Interesse daran haben, den Krieg gegen Preußen zu beenden. Zur Verbesserung seiner Verhandlungsposition und seiner Finanzmittel entschloß sich der preußische König, mit seiner Armee dem geschlagenen österreichischen Heer zu folgen, bis Königgrätz vorzudringen und dort Winterquartier zu nehmen.


Schlacht bei Fontenoy                  

Am 9. Juni brach das preußische Heer aus Schlesien auf und erreichte am 13. Böhmen. Prinz Karl wollte das preußische Heer am Vormarsch behindern, indem er bei Jaromer Stellung bezog. Die preußischen Truppen überflügelten jedoch die Österreicher, da sie bei Neustadt die Elbe überquerten. Daraufhin verließ die österreichische Armee ihr Lager bei Jaromer, weil der preußische Vormarsch sie von ihren Verbindungen zu trennen drohte, und verlegte den Preußen hinter der Adler den Weg. Beide Armeen standen einander wochenlang untätig gegenüber. Die preußischen Truppen zehrten das besetzte Gebiet restlos aus, während die leichten österreichischen Truppen ständig an deren Verbindungslinien operierten.

Die preußische Heeresleitung sah sich bald darauf gezwungen, die Gegend zu verlassen, weil die Verpflegung knapp wurde. Sie erwog zwei Möglichkeiten: Vorstoß in den Raum Hohenmauth oder in die Gegend von Chlum. Mit dem Besitz des südböhmischen Hohenmauth wäre die preußische Armee in ein reiches, bisher vom Kriege verschontes Gebiet gekommen, die bedrohte Verbindung nach Glatz hätte keines besonderen Schutzes bedurft, und Prinz Karl wäre gezwungen worden, sein Lager an der Adler zu verlassen, weil die preußischen Truppen seine Magazine in Pardubitz, Chrudim und Deutsch-Brod bedrohten. Friedrich nahm jedoch von diesem militärisch vorteilhaften Plan aus politischen Erwägungen Abstand.

Seit Mai 1745 bereitete er einen Einfall in Sachsen vor. Das Land konnte von Preußen aus in kurzer Frist und ohne Mühe genommen werden. Man vermochte sich ferner an dem reichen Sachsen schadlos zu halten und die leeren preußischen Kassen zu füllen. Hierzu wurde Fürst Leopold von Dessau beauftragt, 22 Bataillone und 50 Eskadronen im Raum Halle zum Angriff auf sächsisches Gebiet zu versammeln. Der preußische König konnte es aber vorerst nicht wagen, in Sachsen einzubrechen, weil Rußland für diesen Fall mit einer Kriegserklärung drohte und Frankreich, dem er durch Subsidien verpflichtet war, politische Verhandlungen mit König August pflog, um diesen aus dem österreichisch-englischen Bündnis zu lösen.


sächsische Kavallerie

Friedrich wartete deshalb auf den Beginn des Herbstes, weil dann eine russische Intervention im Jahre 1745 auf Grund der Wegeverhältnisse vorerst nicht wirksam werden konnte, und auf die Beendigung der französisch-sächsischen Gespräche. Um die besten sächsischen Truppen, die sich im Lager von Prinz Karl befanden, von ihrem Land fernzuhalten, befahl Friedrich einen Vorstoß nach Chlum. Dadurch blieb das sächsische Korps in Böhmen gefesselt, und Leopold von Dessau hätte bei einem Überfall leiches Spiel mit den wenigen in Sachsen befindlichen Truppen gehabt. Mit dem Marsch in das Lager von Chlum verschlechterte sich jedoch die militärische Lage der preußischen Armee in Böhmen.

Die Stellung war so unglücklich gewählt, daß den Österreichern daraus kaum Schaden erwuchs. Dagegen verlängerten sich die preußischen Verbindungen nach Schlesien und konnten noch von den österreichischen Truppen unterbrochen werden.

Im preußischen Lager sah man sich deshalb veranlaßt, starke Abteilungen zum Schutze der rückwärtigen Verbindungen zu entsenden, was wiederum die Armee so schwächte, daß sie zu keinen Offensivaktionen mehr fähig war. Die Initiative lag erneut in österreichischer Hand. Wie im Vorjahr beherrschten österreichische Husaren und Kroaten das offene Land, und die preußische Armee sah sich in ihrem Lager blockiert. Die Verpflegung wurde zusehends knapper, und um die Futterversorgung der Kavallerie entspannen sich heftige Kämpfe zwischen österreichischen und preußischen Abteilungen, bei denen die letzteren in der Regel unterlagen.

Das Herbstgefecht

Um jeden Versorgungstransport, der alle fünf Tage aus Schweidnitz kam, hatten die Preußen kleinere und größere Gefechte zu bestehen. Schließlich mußte Friedrich erkennen, daß seine Lage unhaltbar geworden war, und am 18. September ließ er den Rückmarsch antreten. Im Raum Staudenz sollte das Heer wiederum einige Tage lagern, ehe es sich nach Schlesien begab. Prinz Karl folgte den preußischen Truppen mit der Absicht, sie zu stellen und in einer Schlacht zu besiegen. Er vertraute auf die zahlenmäßige Überlegenheit seiner Truppen. Dank besserer Aufklärung gelang es ihm auch, unbemerkt in die Flanke der Preußen zu kommen. Die österreichische Führung versäumte es aber, das Überraschungsmoment auszunutzen, weil sie glaubte, allein die Demonstration der überlegenen Stärke ihrer Verbände würde ausreichen, die Preußen zum fluchtartigen Rückzug zu nötigen. Sie rechnete damit, in den preußischen Abmarsch hineinstoßen und so die völlige Auflösung der Armee bewirken zu können.


      sächsische Infanterie

Das zögernde Verhalten der österreichischen Führung gab der preußischen Heeresleitung Gelegenheit, ihre Kräfte zu entfalten und nach erbitterten Kämpfen die Österreicher und Sachsen bei Soor zu schlagen. Die Wirkung des preußischen Erfolgs blieb höchst gering. Nicht nur, daß österreichische Husaren während der Schlacht in das preußische Lager eingebrochen waren und die gesamte Bagage des preußischen Heeres sowie die Kriegskasse mit 85 000 Talern erbeutet hatten, auch militärisch war wenig gewonnen worden. Das preußische Heer lagerte zwar noch fünf Tage auf dem Schlachtfeld, setzte dann aber den Rückzug nach Schlesien fort. Mitte Oktober rückte die preußische Armee in die schlesischen Winterquartiere ein.

 Man hielt den Feldzug für beendet. Friedrich II. begab sich nach Berlin und erwartete einen günstigen Ausgang der durch englische Hilfe aufgenommenen Friedensverhandlungen mit Österreich.

Der Winterfeldzug

Schon am 29. August 1745 hatten Sachsen und Österreich eine geheime Vereinbarung getroffen, den Krieg gegen Preußen mit allem Nachdruck fortzusetzen und einer preußischen Invasion Sachsens durch eine Offensive zuvorzukommen. Obwohl Prinz Karl nach der Schlacht bei Soor seine Bedenken gegen einen Winterfeldzug geltend machte, weil er nur mit hohen Verlusten geführt werden konnte, bestanden die sächsische Heeresleitung und der Wiener Hof auf die Vorbereitung des Angriffs. Der vom sächsischen General Rutowski entworfene Feldzugsplan sah vor, daß sich die sächsische Hauptarmee im Raum Leipzig mit einer vom Rhein anrückenden Kolonne des österreichischen Feldmarschalls Philipp von Grünne vereinigen sollte. Gemeinsam wollten sie dann die unter Führung des Fürsten von Anhalt-Dessau im Raum Halle stehenden Truppen in ihren Quartieren überfallen, darauf nach Krossen vorrücken und die Oder sperren. Damit wäre die Versorgung der preußischen Truppen in Schlesien unterbrochen worden. Ein Durchbruch dieser Heeresabteilung in die Mark sollte verhindert werden, indem die sächsische Armee ihr entgegenging, während die österreichische Armee unter Prinz Karl den Preußen auf dem Fuß folgte. Die preußische Armee wäre damit zwischen zwei Feuer geraten.

Die preußischen Truppen in Schlesien waren im Raum Waldenburg- Friedland-Landeshut in ihre Winterquartiere verlegt worden. Alarmiert durch den Vormarsch der österreichischen Armee an die böhmisch- sächsische Grenze, wurden sie bei Rohnstock zusammengezogen und bewegten sich auf die Bober zu. Der preußische König, der die österreichisch-sächsischen Pläne kannte, traf am 19. November bei der schlesischen Armee ein und befahl seinen Truppen, in dem Moment in Sachsen einzudringen, da Prinz Karl die sächsische Grenze überschritt.

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Friedrich plante, dem Angriff durch zwei Gegenstöße zuvorzukommen. Die schlesische Armee sollte das österreichische Heer nach Böhmen zurückdrängen, während der Fürst von Anhalt-Dessau Leipzig erobern und die sächsische Armee zum Rückzug auf Dresden veranlassen sollte.

Am 23. November wurde Friedrich II. von dem am 21. November erfolgten Einmarsch der österreichischen Truppen in Sachsen unterrichtet. Unverzüglich brach die preußische Armee auf und stieß am selben Tag bei Katholisch-Hennersdorf auf Teile der österreichischen und sächsischen Armee, die zerschlagen wurden. Prinz Karl wagte es nicht, der zahlenmäßig überlegenen preußischen Armee entgegenzutreten, und zog sich über Zittau auf das böhmische Gebiet zurück. Die Preußen konnten Görlitz nehmen, wo ihnen die gefüllten Magazine des sächsischen Heeres in die Hand fielen. Außerdem erhoben sie von der sächsischen Bevölkerung sofort hohe Geldabgaben. Görlitz zum Beispiel hatte 100 000 Gulden zu entrichten. Darüber hinaus nutzte Friedrich den Einmarsch in Sachsen aus, um Meißner Porzellanarbeiter abzuwerben, die die Errichtung der «Königlichen Porzellanmanufaktur» in Berlin erst ermöglichten. Auch veranlaßte er, daß 270 Damastweber im Dezember nach Preußen auswanderten. Am 29. November waren auch die um Halle versammelten preußischen Regimenter in Kursachsen eingefallen. Vom sächsischen Hauptheer, das sich im Abmarsch nach Dresden befand, waren nur Reste im Raum Leipzig verblieben, die sich beim Nähern der Preußen ebenfalls zurückzogen. Am 30. November nahm Leopold von Anhalt-Dessau Leipzig. Auch hier zögerten die Preußen nicht, die Eroberung Leipzigs zum Füllen ihrer leeren Kassen auszunutzen und der Bürgerschaft eine Kriegskontribution von 2 Millionen Talern aufzuerlegen. 


Frieden von Dresden

Außerdem hatte der Rat der Stadt 330 Rekruten für die preußische Armee zu stellen. Inzwischen ließ Leopold von Anhalt-Dessau den Vormarsch fortsetzen. Über Torgau, Strehla und Meißen näherte er sich am 13. Dezember Dresden. Zu seiner Verstärkung hatte Friedrich eine Abteilung unter General Johann von Lehwaldt abgesandt, die sich in Meißen mit ihm vereinigte. Leopold verfügte somit, nach Abzug der Besatzungen von Leipzig und Torgau, über etwas mehr als 30.000 Mann mit 33 schweren Kanonen. Er wurde vom König ungeduldig gedrängt, zügig nach Dresden vorzustoßen und die sächsische Hauptarmee noch vor dem erneuten Wiedereintreffen der Österreicher zu schlagen.

Friedrich II. selbst wagte es nicht, seine Stellung im Raum Königsbrück - Kamenz zu verlassen, weil er um die Verbindungen nach Schlesien fürchtete und Berlin sowie die Magazine zu decken suchte. Er war aber darüber unterrichtet, daß Prinz Karl über Leitmeritz-Aussig-Pirna auf Dresden vorging. Eine Vereinigung der Österreicher mit den Sachsen mußte ihnen eine beträchtliche Überlegenheit über die Armee Leopolds von Dessau verschaffen.

Am 15. Dezember war jedoch General Rutowski gezwungen, ohne das Eintreffen der Österreicher abwarten zu können, sich vor den Toren Dresdens der preußischen Armee unter Leopold von Anhalt-Dessau zu stellen. So kam es zur Schlacht von Kesselsdorf.

 Die österreichischen und die restlichen sächsischen Truppen vereinigten sich bei Pirna und zogen sich auf die sächsisch-böhmische Grenze zurück.

Der preußische König leitete unverzüglich am 15. Dezember erneut Friedensverhandlungen ein, weil er nicht über genügend Mittel verfügte, einen neuen Feldzug zu finanzieren und er ein russisches Eingreifen zugunsten Sachsens und Österreichs befürchten mußte. Georg II. von England drängte auf einen Frieden, weil er alle Hände voll zu tun hatte, dem Aufruhr der Schotten Herr zu werden und auch Österreich war zum Abschluß geneigt, um sich mit aller Kraft gegen die Spanier und Franzosen in Italien und in den österreichischen Niederlanden wenden zu können. Am 25. Dezember wurden die Verhandlungen mit dem Frieden zu Dresden beendet. Preußen erhielt von Österreich den Besitz Schlesiens bestätigt, während Friedrich II. die am 13. September 1745 vollzogene Wahl Franz Stephans zum Deutschen Kaiser anerkannte. Für Sachsen war der Friedensschluß am unvorteilhaftesten. Es bezahlte eine Kriegsentschädigung von einer Million Taler an Preußen, mußte seine Zollstreitigkeiten mit Preußen zugunsten desselben entscheiden lassen und zugeben, daß die gewaltsam ausgehobenen Sachsen in der preußischen Armee blieben. Ferner verzichtete es auf Schlesien und Glatz.

Fortsetzung